E-Paper - 04. Juli 2018
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Selbstgebrautes Bier im eigenen Partybus

Von Fabrice Dubler

Am Freitag kurven im Rahmen des jährlichen Frackumzugs wieder die umgebauten Wagen durch die Winterthurer Gassen. Mit dabei: ein ausrangierter Verkehrsbus, der als mobile Bar fungiert.

Winterthur Es ist eine Tradition, die schon seit 92 Jahren existiert. Während 100 Tagen lassen die Studenten der technischen Berufe an der ZHAW Winterthur ihre Bärte spriessen, feiern an der Frackwoche und absolvieren die letzten Prüfungen. Der Frackumzug und die anschliessende Nacht der Technik markieren dann das Ende der Abschlussfeierlichkeiten. Auch ihre Gesichtsbehaarung werden die Absolventen an diesem Abschlussevent beim Bart-ab-Event los. Der Bart der Studenten der technischen Berufe der ZHAW wird durch freiwillige Studentinnen des Departementes Gesundheit der ZHAW gestutzt.

Dass der traditionelle Umzug nochmals ein Highlight wird, sind für die jeweils selbst konstruierten Wagen höchste Kreativität der Studierenden gefragt. Jeder Studiengang soll ein eigenes Frackmobil stellen, das thematisch zum Studium passt. Der rund 23-jährige Bus, für den sich die Abschlussklasse des Studiengangs Verkehrssysteme dieses Jahr entschieden hatte, erinnert von aussen an einen normalen Linienbus. «Er war zuvor bei den Verkehrsbetrieben Luzern und als Skibus im Wallis im Einsatz», sagt Student Severin Baumgartner, der den Bus am Umzug mit viel Schall und Rauch sicher durch die Gassen steuern wird.

Holzbar und blinkende Lichter

Seit drei Jahren wird das Fahrzeug aber von den Abschlussklassen zum Frackmobil umgebaut und jeweils weitergereicht. Für rund 4000 Franken ergatterte ihn sich die Klasse und werkelte mit viel Selbstwillen an drei Samstagen so lange am Bus herum, bis dieser schliesslich einem Partybus ähnelte. Zumindest inwendig. Eine Bar, die an einen Zugwaggon erinnern soll, LED-Lampen und hölzerne Bänke montierten die Jungs in die Innenkabine. Die Leuchtbuchstaben, die vorne am Bus einst die Endhaltestellen anzeigten, können nun selbst über einen Laptop programmiert werden. Dutzende Fotos an der Scheibe erinnern zudem an die gemeinsamen Partys während des Studiums. Anstelle der Stopps prangen die Sponsoren auf dem Linienplan. Die bereits eingebaute Musikanlage lässt die Bässe dann am Umzug und der anschliessenden Party vor dem Technikum tosen.

Ein Job für alle

«Das Material für die Aufmotzung organisierten und finanzierten wir mehrheitlich selbst durch Mitgliederbeiträge und die Vereinskasse», so Baumgartner. Jedoch können die Absolventen auch jedes Jahr auf diverse Sponsoren zählen, die wie in diesem Fall auf dem Bus gut erkenntlich aufgeführt wurden. Auch wenn die ganze Arbeit freiwillig und während der harten Prüfungsphase stattgefunden hat, waren die Studierenden mit viel Leidenschaft bei der Sache. «Der Umbau ging sehr locker vonstatten. Ganz nach dem Motto: Mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel Ertrag und ein ungewöhnliches Gefährt zu kreieren. Auch die handwerklich weniger Begabten konnten dabei mithelfen.» Bis aber das Abenteuer losgeht, steht der Bus noch bei der Firma Wegmüller in Attikon, wo er auch bisher gelagert und umgebaut wurde. Mit viel Vorsicht wird Baumgartner ihn dank seinem Lastwagenausweis dann in die Stadt kutschieren, wo alle Absolventen bei der zweistündigen Tour ihre 15 Mobile präsentieren.

Vorgaben gab es für das Gefährt ausser der entsprechenden Fahrberechtigung übrigens kaum. «Das Strassenverkehrsamt nimmt die Mobile jeweils vor dem Umzug ab», sagt Baumgartner. Da die Wagen jeweils kaum schneller als im Schritttempo fahren, sind Zwischenfälle eine Seltenheit. Zur Sicherheit stehen auf jeder Achse jeweils zwei Streckenposten. Ist der Umzug einmal vorbei, stehen die Wagen jeweils in einer Reihe vor dem Technikum, wo die Party bis in die frühen Morgenstunden weitergeht.

Zwei Biere in guter Gesellschaft

Dort darf sich dann auch Chauffeur Baumgartner offiziell einem weiteren Highlight seines Mobils erfreuen: dem selbst gebrauten Bier. «Wir haben zwei Sorten produziert und bieten diese an unserer Bar an», verrät Baumgartner. Verkaufen dürfen die Studierenden das Bier offiziell nicht gegen Entgelt. Um dennoch etwas an die Unkosten zu erhalten, zahlen Besucher des Partybusses eine «freiwillige Spende für die gute Gesellschaft». Der Umzug beginnt am Freitag, 6. Juli, um 16 Uhr beim Neumarkt und führt via Steinberggasse über die Ober- und Marktgasse zum Graben.

Winterthurer Zeitung vom Mittwoch, 4. Juli 2018, Seite 30 (19 Views)

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