E-Paper - 06. Juni 2018
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«Event-Fans können uns in Verruf bringen»

Von Fabrice Dubler

In letzter Zeit geriet der FC Winterthur vermehrt in Zusammenhang mit gewaltbereiten Fans in die Schlagzeilen. Geschäftsführer Andreas Mösli stösst dies sauer auf, er ist sich aber sicher, dass der richtige FCW-Fan nicht gewaltbereit ist.

Winterthur Sieben Jahre muss der 22-Jährige, der vor einem Jahr nach einem Match des FC Winterthur einen FCZ-Fan mit einem Schachtdeckel schwer verletzte, hinter Gitter. Der Gerichtsprozess letzten Donnerstag fand mit dem gefällten Urteil am Freitag ein Ende. Er gab zu reden und zeigt auf, was Gewalt unter Fans für Folgen haben kann. Insbesondere auch unter dem massiven Einfluss von Alkohol. Es war einer von mehreren Fällen von Fangewalt, die sich in den letzten beiden Saisons rund um den FC Winterthur ereigneten.

Am Prozess war deshalb auch FCW-Geschäftsführer Andreas Mösli. «Das war der heftigste Vorfall in Zusammenhang mit einem Spiel des FC Winterthur», sagt er. Bereits vor dem Prozess war allerdings klar, dass der Beschuldigte kein aktiver Anhänger des FC Winterthur war. Das bestätigte dieser bei der Befragung vor Gericht: «Ich interessiere mich eigentlich nicht für Fussball und bin kein FCW-Fan», sagte er der Richterin. Mösli ist denn auch überzeugt, dass es nicht die aktiven FCW-Anhänger sind, die im und ums Stadion hin und wieder Probleme bereiten. «Auch der Schaffhauser, der am gleichen Abend eine Knallpetarde aufs Spielfeld der Schützenwiese geworfen hatte und nun einen Teil der verhängten Busse bezahlen muss, ist kein FCW-Fan», weiss Mösli. Szenen, die zeigen, wie der Petardenwerfer von den FCW-Fans ausgepfiffen, geächtet, ja fast gelyncht wurde, unterstreichen dies.

Auf Augenhöhe kommunizieren

Und auch beim letzten Auswärts-spiel gegen Schaffhausen am 21. Mai glaubt Mösli nicht, dass es die organisierten FCW-Fangruppierungen waren, die Teile der sanitären Einrichtungen demoliert, im Extrazug die Notbremse gezogen und damit zahlreiche Verspätungen auf dem Schaffhauser Streckennetz ausgelöst haben. «Ich war selbst noch mit dem Fan-Zug hingefahren und habe friedliche FCW-Fans erlebt. Unsere Fanclubs sind sensibilisiert und gegen Gewalt.»

Dass die Emotionen aufgrund der langen Wartezeiten beim Bierstand in Schaffhausen hochkochten, kann Mösli aber ein Stück weit nachvollziehen. Deshalb sei es wichtig, als Verein stets mit den Fans das Gespräch zu suchen, um zu erfahren, was diese bewegt und im Stadion verbessert werden könnte. «Der Club soll mit seinem Stadion wie ein zweites zuhause sein, wo man sich als Gemeinschaft wohlfühlt.»

Schlecht fürs Image

Dafür organisiert der Verein verschiedene Aktivitäten, die Fans verbinden und sensibilisieren soll. Beispielsweise wurde ein Fan-Rat ins Leben gerufen, an dem sich die Anhänger regelmässig treffen und aktuelle Themen diskutieren. So auch Gewalt unter Fans. «Die Mitglieder unserer Fanclubs wissen, dass solche Szenen weder auf der Schützenwiese noch auswärts toleriert werden und sie damit dem Image des Vereins und sich selber enorm schaden würden», so Mösli. Mit der Sirup-Kurve wolle man auch bereits junge Fans erreichen. Wer sich nicht an diese Spielregeln halte, erhalte ein Stadionverbot, was aber momentan nur etwa drei Winterthurer betreffe.

Laut dem Geschäftsführer sind es denn auch eher Event-Touristen, die Probleme bereiten. Also Zuschauer, die keinem Fanclub angehören, nur an grösseren Spielen und somit nicht regelmässig im Stadion sind, schnell aggressiv werden und ihre Grenzen nicht kennen. «Solches Publikum kann uns durch ihre Gewaltbereitschaft in Verruf bringen», findet Mösli. Denn wahrgenommen würden diese als FCW-Fans, auch wenn sie nicht wegen des Vereins oder des Fussballs im Stadion sind.

Sicherheitskonzepte bei Risiko-Spielen

Sie herauszufiltern sei aber schwierig, da solche Zuschauer meist versteckt agieren, so Mösli. «Je grösser der Anlass, desto unübersichtlicher ist die Situation.» Deshalb probiere man, sich bei grösseren Spielen gegen Super-Ligisten oder internationale Gegner entsprechend zu rüsten. Für solche Anlässe braucht es sogar jedes Mal eine Bewilligung. Gespräche mit dem Sicherheitsdienst, der Stadtpolizei Winterthur wie auch mit dem entsprechenden Verein gehörten dann dazu. «Unser Sicherheitsbeauftragter erstellt zwei Tage vor Spielbeginn einen Rapport und organisiert im Vorfeld die nötigen Sicherheitsmassnahmen.»

Ganz verhindern liessen sich aber Gewalt-Ausschreitungen oder auch Aktionen wie jene des Pyrowerfers aber auch dann nicht. «Wir können nicht jeden Besucher auf Herz und Nieren beim Eingang prüfen. Das ist aus zeitlichen Gründen kaum zu bewältigen», sagt Mösli. Er hofft, dass die verhängte Freiheitsstrafe gegen den Schachtdeckelwerfer, auch wenn es ein Einzelfall war, gegen gewaltbereite Matchbesucher eine abschreckende Wirkung entfaltet. Und vor allem auch, dass die Selbstregulierung in der Kurve weiterhin greift.

Winterthurer Zeitung vom Mittwoch, 6. Juni 2018, Seite 3 (20 Views)

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