E-Paper - 26. Oktober 2016
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«Humus ist Leben»

Im WiZe-Interview erklärt Ferdi Hodel, Geschäftsführer des Zürcher Bauernverbandes, die Ja-Parole im Bezug auf die Revision des kantonalen Bau- und Planungsgesetzes.

Für die Abstimmung vom 27. November 2016 hat der ZBV die Ja-Parole zur Revision des Bau- und Planungsgesetzes beschlossen. Warum? Welche Gründe führen Sie für ein Ja an?

Für die Zürcher Landwirtschaft ist es mehr als nur störend, dass ein grosser Teil von den 60‘000 LKW wertvollem Bodenmaterial (inkl. Humus) jährlich in Deponien als Abfall entsorgt wird. Humus ist Leben und darf dementsprechend kein Abfall sein. Mit dezentralen Aufwertungen von weniger gutem Kulturland kann dieses Bodenmaterial sinnvoll und nachhaltig wieder verwertet werden. Der Humustourismus wird damit im Vergleich zu heute massiv reduziert - und nicht wie fälschlicherweise behauptet - ausgedehnt. Es geht der Zürcher Landwirtschaft also nicht um die Einschränkung von Bauvorhaben im Siedlungsgebiet, sondern um die sinnvolle Verwertung von wertvollem Bodenmaterial. Zudem ist ein im Gesetz verankerter Schutz von Kulturland langfristig wirksamer, als eine Verankerung im Richtplan, der nach 10 bis 20 Jahren erneut angepasst werden kann. Die Verwertungspflicht von wertvollem Bodenmaterial wird zudem in der Landwirtschaftszone schon lange erfolgreich angewendet.

Im Gegensatz zur SVP die den Bauern nahe steht. Sind Sie persönlich vom Nein der SVP enttäuscht? Fühlen Sie sich von der SVP für einmal nicht optimal vertreten?

Das Nein der bürgerlichen Parteien erstaunt uns sehr. Enttäuschend sind aber viel mehr die vielen falschen Behauptungen, welche von den Gegnern dieser Vorlage ins Feld geführt werden, enttäuschend. Vernünftig betrachtet, gibt es ausser einer möglichen Verteuerung des Baulandes um bis zu Fr. 20.00 pro m2 keine handfesten Argumente gegen ein JA. Selbst diese Verteuerung fällt bei den kantonalen Bodenpreisen für Bauland kaum ins Gewicht und wird unbedeutend, wenn man berücksichtigt, dass wertvolles Bodenmaterial nicht entsorgt, sondern fachgerecht zur Aufwertung von weniger gutem Kulturland verwertet wird.

Die Grünen freuen sich auf die Unterstützung des ZBV. Was hat der ZBV mit den Grünen gemeinsam?

Sowohl den Grünen als auch uns geht es darum, dass wenn bestes Kulturland überbaut wird, das anfallende Bodenmaterial (oft Humus) wieder verwertet werden soll und nicht einfach in einer Deponie entsorgt werden darf. Humus ist als Grundlage für eine nachhaltige Produktion unserer heimischen Nahrungsmittel nicht ersetzbar und daher von höchstem Wert.

Ist für Sie der Mist geführt? Gibt es ein klares Ja oder müssen die Befürworter noch für ein Ja weiter kämpfen?

Auf jeden Fall müssen wir uns engagieren. Die Gegenseite ist so breit aufgestellt, wie selten bei einer Abstimmungsvorlage. Wenn es uns aber gelingt, der Bevölkerung aufzuzeigen, dass ein JA positive und nachhaltige Auswirkungen hat und ein NEIN weiterhin einen sorglosen Umgang mit wertvollem Bodenmaterial zulässt, sind wir zuversichtlich, dass für die Mehrheit der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger ein klares JA die logische Folgerung ist. Immerhin hat das Zürcher Stimmvolk die Kulturlandinitiative, welche inhaltlich viel breiter ausgelegt war, bereits einmal mit über 54 % angenommen.

Robert Blaser

Winterthurer Zeitung vom Mittwoch, 26. Oktober 2016, Seite 15 (66 Views)

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